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Schramm, J. & Seidlitz, H. (2001). Person droht zu springen ... Talk-down. In Müller-Lange, J. (Hrsg.): Handbuch Notfallseelsorge. Edewecht, Wien: Verlagsgesellschaft Stumpf & Kossendey.


Mit freundlicher Genehmigung der Verlagsgesellschaft Stumpf & Kossendey

 

Person droht zu springen... Talk-down

 

Setting und Gesprächsführung in akuten Suizid-Situationen


Paul Watzlawik erzählt in seinem Vorwort zu dem Buch „Krisentherapie“ von Everstine/Everstine von einem österreichischen Landpolizisten , der zusah, wie ein Mann mit eindeutiger Absicht, sich das Leben zu nehmen, von einer Brücke in die Donau sprang. ER richtete das Gewehr auf den Mann und rief:“ Kommen Sie augenblicklich heraus oder ich schieße.“ Der Mann schwamm ans Ufer...

Ein junger Mann steht auf dem Fenstersims und will in die Tiefe springen. Ein herbeigeeilter Helfer ruft ihm zu:“ Aber Sie haben doch das ganze Leben vor sich!“ „Eben!“, antwortet der junge Mann und ... springt.

Trum et al. berichten von einem Mann, der in ca. 35m Höhe am äußersten Ende eines Kranauslegers steht. Er blickt in die Ferne und reagiert nicht im geringsten auf die Zurufe, die er von unten erhält.

Ein Helfer versucht über eine Stunde, mit ihm per Megaphon ins Gespräch zu kommen. Er antwortet auf keine der Fragen. Irgendwann wirft er seinen Personalausweis herunter, man weiß jetzt, wer er ist, holt seine Angehörigen herbei, und er steigt von dem Kran, ohne auch nur ein Wort gesprochen zu haben.

Eine mögliche Erklärung für sein Verhalten wäre gewesen, dass er taubstumm war. Das war aber nicht der Fall! In einem Nachgespräch erzählte er, dass das Megaphon ihn nicht erreicht habe,, der Wind habe die Worte verweht.

Ob und wie die Worte der Helfer beim Adressaten ankommen, kann abhängig sein von äußeren Bedingungen wie Kommmunikationsmitteln, Witterung, usw., aber auch von dessen innerer Verfassung und Weltsicht. Auch noch so gut gemeinte Äußerungen müssen nicht immer hilfreich sein, auch ungewöhnliches Verhalten kann Leben retten, wie Beispiele zeigen. Setting und Gesprächsführung in akuten Suizidsituationen sollten deshalb immer situationsabhängig, flexibel und kreativ, nie statisch oder schematisch sein!

 

Suizidversuche sind deshalb so gefährlich, weil sie tödlich enden können!

 

Die trifft in besonderem maße auf Situationen zu, in denen Menschen drohen, aus großer Höhe in die Tiefe zu springen.

Das besondere an diesen Situationen ist, dass der Suizidale seine Ambivalenz, seinen inneren Konflikt , so nicht weiter leben zu können  oder zu wollen, aber auch (noch) nicht sterben zu wollen, in aller Öffentlichkeit austrägt. Dass er nicht einfach still und heimlich springt, ist ein Hinweis für seine Ambivalenz:

Einerseits sehnt er sich nach dem Tod, der ihm Ruhe und Erlösung verspricht, andererseits fürchtet er dessen Endgültigkeit. Einerseits sehnt er sich danach, anders leben zu können, andererseits fürchtet er sich davor, so weiter leben zu müssen.

Einerseits mag er Lust empfinden, sich öffentlich so scheinbar tapfer, heroisch, todesmutig zu zeigen und die anderen ihre Ohnmacht ihm gegenüber spüren zu lassen, andererseits mag er Scham empfinden über das Schauspiel, das er abgibt.

Der Suizidversuch kann als Versuch der Auflösung dieser Ambivalenz verstanden werden, als Versuch, der eigenen Hilflosigkeit und Ohnmacht zu entkommen, wieder Kontrolle über das eigene Leben zu erhalten. Alles wird auf diese letzte Karte gesetzt. Der hohe Einsatz bei diesem Roulette ist das eigene Leben. Das Weiterleben wird in solchen Fällen oft abhängig gemacht von den Reaktionen der Öffentlichkeit oder bestimmten Bezugspersonen. Entsprechen die Reaktionen nicht den oft auch unbewussten Erwartungen, verspricht der Sprung in die Tiefe endlich Ruhe – lieber tot als weiter verzweifelt und hilflos zu sein.

Natürlich kann auch ein Motiv sein, andere mit der eigenen Todesdrohung oder gar mit dem eigenen Tod zu bestrafen. Es kann der Versuch sein, jemanden zu erpressen, indem man ihn herbeizitiert, um Zugeständnisse zu erzwingen.

Trotz und gerade wegen ihrer Ambivalenz sind Suiziddrohungen immer erst zu nehmen, insbesondere wenn Menschen zu diesen äußersten Mitteln greifen. „ZU apathisch, verschlossen oder aufgeräumt wirken viele in einer solchen Situation, als dass man ihnen ein akute Suizidgefährdung absprechen könnte.“

Die Helfer stehen in solchen Situationen unter ungeheurem Druck – scheinbar hängt von ihrem Geschick das Leben der Suizidalen ab – und das angesichts von Zuschauern und Presse! Hinzu kommt, dass es keine Erfolgsgarantie gibt. Selbst wenn der Helfer fachlich das Richtige tut, heißt das nicht, dass der Suizidale nicht dennoch springt!

Glücklicherweise ist aber auch so, dass der Helfer scheinbar alles falsch machen kann, und der Suizidale springt dennoch nicht oder schwimmt, wie im ersten Beispiel, zurück ans Ufer.

Erschwerend für den Helfer kommt hinzu, dass er in der Regel nicht auf Bitten des Suizidalen gerufen wurde, sondern in Ausübung seines Amtes als Polizist, Feuerwehrmann, Notarzt oder Notfallseelsorger in Kontakt mit ihm kommt.

Was sollten Helfer mitbringen, die sich in solchen Situationen solchem Druck aussetzen?

In diesen Situationen braucht es Menschen, die für die Bedrängnis, die Skepsis und Ambivalenz des Suizidalen Verständnis aufbringen. Sie sollten in der Lage sein, unter den erschwerenden Bedingungen von Zeitdruck, Aktionismus und Destruktivität behutsam eine kooperative Beziehung aufbauen zu können, in der sie als vertrauenswürdig, glaubwürdig und lösungskompetent angesehen werden.

Je langsamer das Tempo einer Kommunikation in einer solchen Situation ist, desto länger wird sie anhalten, und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Erfolg führt. Bedachtes, überlegtes und einfühlsames Verhalten enthält die subtile, aber wichtige Botschaft: „Ich will Ihnen zuhören, was Sie sagen, ist wichtig.“

Erwin Ringel hat die tunnelförmige Einengung vieler suizidaler Menschen auf die Selbsttötung und das Lebensende in Zusammenhang mit der auf sich selbst gerichteten Aggression und zunehmenden Suizidphantasien als „präsuizidales Syndrom“ beschrieben. Gefühls- und Erlebnisdispositionen in diesen Phasen sind Angst und Enttäuschung, Resignation und Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht und Hilflosigkeit.

In der Terminologie der Hypnotherapie Erickson´scher Prägung würde ein solches Phänomen, also eine Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Selbsttötung, als Trance aufgefasst.

Das Problem für den Helfer ist demnach, dem Betroffenen zu helfen, aus einer Suizid-Trance zu einer Position zu kommen, die wieder andere Optionen offen hält.

Lauterbach folgert daraus und auch weil ein Suizid nicht dauerhaft von außen verhindert werden kann, dass das Ziel der Hilfe nicht die Verhinderung der Selbsttötung, sondern das Öffnen oder Offenhalten von Entscheidungsmöglichkeiten sein muss.

 

Aktiv intervenierende Suizidverhinderung (Zwangszugriff) greift demnach meist zu kurz und ist nur in Ausnahmefällen angebracht als lebensrettender Zwischenschritt, um weitere Eskalation bei stark eingeengter Wahrnehmung- Denk- und Selbststeuerungsfähigkeit (z.B. bei psychotischem Schub, Drogenintoxikation) und akuter Gefährdung dritter Personen notfallmäßig zu unterbrechen.

Erstes ziel in allen anderen Fällen muss die Erweiterung der Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten sein.

 

 

Handlungsmöglichkeiten können durch eine intensive und differenzierte Beschäftigung mit der beim Suizidalen vorherrschenden Ambivalenz erweitert werden. Das bedarf einer Position des Gesprächspartners, die einerseits die Wertschätzung für den Suizidalen und sein Engagement für sein Überleben und andererseits den Respekt auch vor einer Entscheidung für den Tod beinhaltet!

Die Gratwanderung besteht nach Lauterbach darin, nicht einseitig die Seite des Lebens zu besetzen, so dass dem Suizidalen nur noch die Chance bleibt, die Legitimität seines Todeswunsches zu bekräftigen. Gleichzeitig gilt es zu vermeiden, die Selbsttötung als den besten Weg anzuerkennen und damit die Tötungsdynamik zu unterstützen.

Der „Leitfaden für den Umgang mit Suizidgefährdeten in Akutsituationen“ (s.u.) – entwickelt aus der Praxis für die Praxis – will dazu anregen, sich gedanklich gezielt auf solche Einsätze vorzubereiten und im Einsatz die Übersicht zu behalten, will mit Gesprächsbeispielen aufzeigen, wie unter diesen extremen Bedingungen eine wertschätzende Kooperationsbeziehung unter Achtung  der Würde des Suizidalen hergestellt werden kann, und anregen, über den „Talk-down“ hinauszudenken. Die Gesprächsbeispiele dienen nur zur Anregung. Sie sollten in den Sprachstil des Helfenden „übersetzt“ und auf den Adressaten und die jeweilige Situation adaptiert werden. Talk-down im Sinne dieses Leitfadens ist also nicht zu übersetzen mit „herunterreden“, sondern eher mit „herunterbegleiten“!

Zentral wichtig für solche Einsätze und auch die Interpretation des Leitfadens ist, wie der Gesprächspartner mit seiner eigenen Lebensgeschichte seine Rolle in Bezug auf diese Thematik füllen kann. G. Sonneck bemerkt dazu:

 

„Die Beschäftigung mit Suizidgefährdeten und Menschen in Krisen bringt uns selbst auch immer wieder mit unserer eigenen Krisenanfälligkeit, eigenen Suizidalität und mit unseren Einstellungen zum eigenen Sterben und Tod in Kontakt. Je besser ich meine eigene Stellungnahme zu Suizid, Tod und Sterben kenne, umso freier werde ich sein, den schwierigen Weg mit dem Menschen in der Krise gemeinsam zu gehen.“

 

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Leitfaden für den Umgang mit Suizidgefährdeten in Akutsituationen

 


1. Innere Einstellung des Helfers

 

     

  • Habe ich meine eigene Suizidalität und die Möglichkeit eigenen Scheiterns reflektiert?<o:p></o:p>
  • Habe ich die Ohnmacht, einen Suizid verhindern zu können, akzeptiert?<o:p></o:p>
  • Habe ich die Möglichkeit, subjektiv oder objektiv schuldig werden zu können, reflektiert und akzeptiert?<o:p></o:p>
  • Kenne und achte ich meine Grenzen?<o:p></o:p>
  • Respektiere ich die fremde Welt des Suizidalen, ohne sie gutheißen zu müssen?<o:p></o:p>

 


2.  Auftrag

 

     

  • Wer bittet um welche Hilfe? (Suizidaler, Polizei, Feuerwehr, Angehörige,...?)
  • Wie lautet mein Auftrag? (Sind eventuell unterschiedliche Ziele oder Aufträge der Einsatzbeteiligten bewusst und besprochen?)
  • Welche Aufgaben muss ich für meinen Anstellungsträger erfüllen?
  • Wie abhängig/unabhängig bin ich bei meinen Handlungen?
  • Ist ein Zwangszugriff erforderlich oder geplant? Die eigene Rolle dabei reflektieren!

 


3. Einsatzlage

 

     

  • Kontakt zu den Leitern des Einsatzes herstellen
  • Informationen einholen
  • Was wissen andere über die Person und die aktuelle Situation?
  • (Auslöser, Ereignisverlauf, Alkohol oder Drogen?)
  • Liegen Verwirrtheit oder psychische Erkrankung mit Verfolgungsideen vor?
  • Handelt es sich um einen Mann oder eine Frau?
  • Ist der oder die Betreffende bewaffnet?
  • Sind Freunde oder Angehörige bekannt?
  • Wer ist an der suizidalen Situation mitbeteiligt?
  • Gibt es Forderungen oder Bedingungen von Seiten des Suizidalen?
  • Auswahl des Gesprächspartners (Mann, Frau, Experte?)
  • Ersten Gesprächspartner nach Möglichkeit nicht wechseln

 


4. Setting

 

     

  • „Oase der Ruhe“ sicherstellen (soweit in dieser Situation möglich)
    •  

    • Für Diskretion sorgen, Schaulustige und Presse fernhalten
    • Vorsichtiger Umgang mit Rettungsmitteln (Sprungretter, Rettungswagen ohne Signale u.a.)
    • Den Suizidalen damit nicht weiter in die Enge treiben (Gefahr einer Kurzschlusshandlung, um einer Rettung zuvorzukommen!)
  • Transparenz der Handlungen und der Kommunikation. Im direkten Kontakt mit dem Suizidalen erklären, was warum geschieht, keine leisen Absprachen mit Dritten!
  • Eigene Sicherheit gewährleisten. Abstand halten, alle Aktionen ankündigen, Aufforderungen abwarten
  • Erkennbarkeit als Helfer
    •  

    • Notfallseelsorger mit Jacke, Dienstausweis
    • Feuerwehrmann mit Uniform (Feuerwehr wird mit „Hilfe“ assoziiert)
    • Polizist möglichst in zivil (Polizeiuniform kann negative Assoziationen auslösen)
  • Hilfsmittel
    •  

    • Funkgerät für Kontakt mit der Einsatzleitung (nur in Absprache mit dem Suizidalen verwenden)
    • Ein Megaphon ist nur in wenigen Ausnahmefällen sinnvoll (Übertragungsprobleme, kein vertrauliches Gespräch möglich)
    • Feuerzeug, Zigaretten

 


5. Kontaktaufnahme

 

     

  • Vorsichtig nähern
  • Mit Namen und Funktion vorstellen; ermöglicht Klarheit und Sicherheit
  • Eigene Motivation und Befindlichkeit mitteilen. „Ich bin zu Ihnen gerufen worden. Man hat mir gesagt, sie befänden sich in einer verzweifelten Lage...“
  • Anrede klären
    •  

    • „Wie darf ich Sie ansprechen? Ich würde Sie gerne mit einem Namen ansprechen...“
    • Verwendung von „Ich“ statt „Wir“
  • Nähe und Distanz – Balance
    •  

    • Respekt vor dem Suizidwunsch (Suizid als eine Möglichkeit respektieren, auch wenn wir sie nicht immer verstehen)
    • Nähe und Distanz absprechen
    • Grenze auf keinen Fall überschreiten ohne zu fragen, keine Überrumpelungstaktik!
      •  

      • „Ist es Ihnen recht, wenn ich noch etwas näher komme, damit ich Sie besser verstehen kann. Die anderen müssen unser Gespräch ja nicht mithören...
      • Wenn sie sich wirklich etwas antun wollen, kann ich Sie nicht daran hindern
      • ...Vielleicht ist es Ihnen im Moment unangenehm, dass ich zu Ihnen komme
      • ... Ich werde Ihnen nicht zu nahe kommen...“

 


6. Beziehung herstellen

 

     

  • Vertrauen aufbauen
  • Versuch, die Lebenswelt des Suizidgefährdeten zu erfassen
    •  

    • Versuchen, sein Weltbild, seine Probleme und seine Lösungsversuche zu verstehen und gelten zu lassen
    • Respekt auch vor dem Suizidwunsch und dem oft nur subjektiv verständlichen Suizidanlass
      •  

      • „Ich kann mir schon vorstellen, dass man manchmal keine anderer Möglichkeit mehr sieht, als sich das Leben zu nehmen, um endlich Ruhe zu haben. Wie ist es bei Ihnen dazu gekommen?“
  • Aufbau einer Ja-Haltung (Äußerungen, die den anderen so erreichen, dass er mit einem Ja antworten und sich verstanden fühlen kann)
    •  

    • „Sie müssen in einer verzweifelten Lage sein...“
    • „Keiner darf Ihnen jetzt zu nahe kommen. Ich glaube, das ist ganz wichtig für Sie.“
    • „Ich denke, Sie möchten über sich selbst bestimmen.“
    • „Ihnen ist sicherlich schon ganz kalt, so lange wie Sie schon hier oben sind...“
  • Einfühlendes Verstehen, Respekt
    •  

    • Kein Ausfragen, keine Ratschläge
    • Nicht „zwischen den Zeilen“ lesen, stattdessen vom sichtbaren Verhalten ausgehen. Eigene Vermutungen dazu äußern und überprüfen!
    • „Die Kündigung muss für Sie ein großer Schlag gewesen sein...“
    • „Es scheint Ihnen erstmal wichtig, auf dem Fenstersims zu bleiben...“
  • Positive Umdeutungen und Umetikettierungen, z.B. bei Drohgebärden
    •  

    • „Tut mir leid, ich habe wohl übersehen, wie wichtig es Ihnen ist, dass Ihnen keiner zu nahe kommt. Das haben Sie vielleicht schon öfter erlebt, dass man auf Sie keine Rücksicht genommen hat.“ Bei Schweigen: „Vielleicht wollen Sie lieber erstmal nichts sagen uns nur zuhören.“ Bei unsicherem Zögern: „Ihnen scheint es wichtig, dass Sie sich Ihre Entscheidung genau überlegen...“
  • Authentisches Verhalten                                                                                                       
    dabei Bitten und Besorgnisse einfach und direkt äußern
    •  

    • „Mir wäre wohler, wenn Sie etwas mehr vom Fenster zurücktreten würden...“
    • „Können Sie lauter sprechen, ich traue mich nicht, höher zu klettern, ich habe Angst runterzufallen.“
    • „Bitte wiederholen Sie noch einmal, was Sie gesagt haben.“
    • „Bitte legen Sie die Waffe jetzt weg!“
  • Ressourcen betonen (jedoch nicht unbedacht lobe! Das Lob muss sich mit dem  negativen Selbstbild vertragen.)
    •  

    • „Dazu gehört aber mut, jetzt alles auf eine Karte zu setzten!“
    • „Wie haben Sie es geschafft, das so lange auszuhalten?“

 


7. Einengung erweitern

 

     

  • Auswirkungen des Suizidwunsches klären
    •  

    • Mit Hilfe von hypothetischen, zukunftsorientierten Fragen:
      •  

      • „Was erhoffen Sie sich von Ihrem Tod?“
      • „Wer würde Sie am meisten vermissen?“
      • „Wer wäre vielleicht sogar froh, wenn Sie nicht mehr am Leben wären?“
      • „Was brauchten Sie, um am Leben bleiben zu können?“
    • Ambivalenz ansprechen und aushalten
    • „Einerseits sehen Sie, dass es so nicht mehr weitergehen kann, andererseits sehen Sie noch keinen anderen Weg, als sich das Leben zu nehmen.“
  • Umdeutungen des Suizidwunsches anbieten (d.h. den Suizidwunsch als Suche nach anderen Lebensmöglichkeiten umdeuten)
    •  

    • „Sie suchen dringend nach einem Ausweg.“
    • Man soll Sie endlich einmal ernst nehmen.“
  • Einladen, sich Zeit zu nehmen, den Suizidwunsch gründlich zu überdenken
    •  

    • „So ein Gespräch würde ich lieber in Ruhe und in einem geschützten Raum führen, als hier vor allen Leuten.“ „Ich finde, Sie sollten das noch mal überdenken, ob Sie mit dem Leben Schluss machen wollen – vielleicht haben Sie in Ihrer Verzweiflung nicht alles bedacht.“
  • Beziehungspersonen einbeziehen
    •  

    • Nur nach Abklärung der Erwartungen und sorgfältigem Abwägen (mögliche einseitige Reaktionen sind nicht vorhersagbar und kontrollierbar). Besser die Beziehungspersonen indirekt einbeziehen:
      •  

      • „Was erhoffen Sie sich, wenn Ihre Frau kommt?“
      • „Wie wird Sie vermutlich reagieren?“
      • „Wäre das für Sie hilfreich?“
      • „Was könnte sie im schlimmsten Fall sagen?“
      • „Was passiert, wenn sie nicht kommt?“
        •  

        • Im Hier und Jetzt und zukunftsbezogen das Gespräch führen<o:p></o:p>
          •  

          • „Was bedeutet das jetzt für Sie, dass man Ihnen den Führerschein entzogen hat?“<o:p></o:p>
      • Konkrete, erreichbare Ziele finden und formulieren<o:p></o:p>
        •  

        • „Wir können jetzt nicht das ganze Problem lösen. Zuerst sollten wir eine Möglichkeit finden, wo Sie zur Ruhe kommen können. Ich schlage vor, dass Sie erst einmal in eine Klinik gehen, um Abstand zu bekommen.“<o:p></o:p>

 


8. Aufgabephase und Vorbereitung der unmittelbaren Zukunft

 

     

  • Hilfsangebote machen<o:p></o:p>
    •  

    • „Ich kann Ihnen nicht garantieren, dass man Sie jetzt nach Hause lässt. Wenn Sie wollen, werde ich Sie in die Klinik begleiten.“<o:p></o:p>
  • „Illusion der Alternativen“ anbieten (Reduzieren der Handlungsmöglichkeiten auf einfache Alternativen)<o:p></o:p>
    •  

    • „Darf ich auf Sie zukommen oder soll ich hier erst einmal warten?“
    • „Wollen Sie lieber erst einmal ein Beruhigungsmittel oder gleich in die Klinik?“
  • Perspektiven aufzeigen und Hemmungen berücksichtigen
    •  

    • „Ich kann mir vorstellen, dass Sie nicht gerne in die Klinik gehen. Viele Menschen glauben, man sei verrückt, wenn man in die Klinik geht. Die können nicht verstehen, dass man manchmal Abstand zum Alltag braucht, um wieder besser klarzukommen.“
  • Gesichtsverlust des Suizidgefährdeten vermeiden, stattdessen sein Verhalten würdigen und positives Selbstbild stärken
    •  

    • „Sie haben jetzt allen deutlich gezeigt, dass es so nicht weitergeht, dass Sie bereit sind, über die Dinge zu sprechen, obwohl das nicht einfach für Sie ist!“
    • Evtl. Feuerwehr-Uniform anbieten als Schutz vor der Presse
  • Nachkontakt
    •  

    • Auf weitere konkrete Hilfsangebote hinweisen bzw. ein begrenztes Kontaktangebot machen. Dabei für sich klären, ob ein Nachkontakt möglich und sinnvoll ist – sinnvoll für den Betroffenen, die Angehörigen, den Retter – und welches Ziel mit dem Nachkontakt verfolgt werden soll.

 


9. Person springt...

 

     

  • Nicht nachschauen, evtl. Ohren zuhalten, Person nicht ansehen
  • Eigene Nachsorge erwägen (kollegiale, fachliche Unterstützung, Begleitung annehmen).

 


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Schramm, J. & Seidlitz, H. (2001). Person droht zu springen ... Talk-down. In Müller-Lange, J. (Hrsg.): Handbuch Notfallseelsorge. Edewecht, Wien: Verlagsgesellschaft Stumpf & Kossendey.

 

 

 
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